Power Of

Mittig im Bild der platte Reifen eines Bauwagenrads unter rostiger, eiserner Achskonstruktion und Verbretterung des Aufbaus mit abblätternder, gelber Farbe.

Eine Kreuzung im Nichts. Sengende Hitze. Ein paar Flaschen Whikey zu viel. Der Geruch eines Kadavers. Ein kleines, weißes Haus. Zwei Stühle davor, Fliegenfang in der offenen Tür, Klimaanlage surrt. Der Geruch einer unheimlich schmutzigen Latrine jenseits des Grundstücks. Nichts als Wüste ringsum. Wüste, weites Land und eine Handvoll Vierzigtonner. Eine Szene die klingt wie aus einem apokalyptischen Film.

Nie lagen Niedergang und Hoffnung näher beisammen. Die Geschichte des legendären MudArt-Mobs vom One Man Creek erzählt von Zusmmenbruch und Regeneration, von absoluter Hoffnungslosigkeit und ‚make the best of it‘. Fünf Männer und Frauen, ein Leihwagen, eine Kiste Whiskey, eine Tropennacht und ein Desatser. Mehr brauchte es nicht, um eines der ungewöhnlichsten MudArt-Events der letzten Jahrhunderte zu ermöglichen.
(Aus der Biografie von Joe ‚Mouthful‘ Dineb, „Mundschenk und Director of MudArt“, 84 Seiten Paperback, Melville & Dick 2018)

Als in den späten Abendstunden des 23. März 1997 das Team des MudArt-Künstlers Heiko Moorlander seinen Leihwagen auf dem staubigen Parkplatz von One Man Creek parkte, um eine Pause einzulegen, konnten sie nicht ahnen, dass es etwas länger dauern würde. Vielleicht war der Whiskey schuld oder das fettige Essen im Gasthaus, das sich als einziges Gasthaus im Umkreis von 346 Meilen rühmte, aber ganz sicher trug die Tatsache dazu bei, dass sich jemand an den Tankreserven des Leihwagens bedient hatte und die Crew spät in der Nacht nicht mehr vom Parkplatz kam.

Vollgesoffen ausgetrocknet – dried up fully drunk. Power Off.

Es wäre ohnehin keiner mehr in der Lage gewesen, den Wagen zu steuern.

Mittig im Bild der platte Reifen eines Bauwagenrads unter rostiger, eiserner Achskonstruktion und Verbretterung des Aufbaus mit abblätternder, gelber Farbe.
Motiv des April-Kalenderblatts Moorlander 2020.

Das große Problem in One Man Creek ist, dass die kleine Wüstentankstelle nur ein Mal wöchentlich mit Kraftstoff beliefert wird.

Die Tanks der alten Trucks haben noch ein bisschen Diesel, vielleicht nützt das?, bot der einbeinige Joe, Besitzer und Barceeper von One Man Creek, dem verkaterten MudArt-Team an.

Ein Leihwagen mit Benzinmotor. Verhängnis. Drei Tage warten im Nirgendwo auf einen Tanklaster, der hoffentlich kommt. Kein Internet, im TV nur FOX-News, Tapasküche, viel Fett und Whiskey, unendlich viel Whiskey.

This is the end, my friend, the end, my only friend the end.

Doch statt in Lethargie zu fallen und sich dem Alkohol hinzugeben, machte das MudArt-Team um Heiko Moorlander die Not zur Tugend: „Die Dinger da, fahren die noch, Joe?“ Moorlander wies lässig mit dem Kinn zu dem Ensemble uralter Trucks hinter dem Haus. „Aber sicher!“ erwiderte der One Leg Joe.

Man erzählt sich, der Kraftstoff in den Maschinen habe genau so lange ausgereicht, bis der Tankwagen drei Tage später eintraf. Moorlander habe Tag und Nacht wie ein Berserker gearbeitet und am Ende eine Art Labyrinth an MudArt-Spuren rings um One Man Creek gelegt, das man auch auf Satelitenbildern erkennen könne. ‚From Phoenix/Arizona to Ashes/Kentucky‘, so der zweideutige Arbeitstitel.

Im Prinzip ist dies eine Geschichte wie aus dem MudArt-Bilderbuch. Nur, die Sache hat einen Haken. Es gibt keinen Beleg dafür! Keine Presse. Keine Film-, Foto- oder Tondokumente. Den Ort One Man Creek sucht man auf der Landkarte vergebens. Über Joe Dineb existiert gerade mal ein einziger Wikipediaartikel in finnischer Sprache, der zudem heftig umstritten ist und immer wieder intern diskutiert wird. Nur die Tatsache, dass Moorlander und sein Team vom 23. bis 26. März 1997 als vermisst galten, deutet an, dass da ‚etwas gewesen sein könnte‘. Die einzige Erwähnung des unfreiwilligen MudArt-Events findet sich in der Autobiografie ‚Mundschenk und Director of MudArt‘ von Joe Dineb.

 

 

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