Schulfreund Uwe

Roter Traktor vor freigestelltem weißem Hintergrund auf Teerstraße und einem Streifen Grase. Die Maschine im Profil, von links nach rechts zu fahren scheinen hat zwei platte Reifen. Die anderen beiden Reifen sieht man nicht.

Große Konzertbühne, gnadenlose Gitarre, martialisches Schlagzeug, herber Gesang, Nebelmaschine, Dampf und Feuerzeuge und ein im Rhythmus wogender, proppenvoller Konzertsaal und ganz vorne in der Mitte zwei Jungs, die sich knuffen und freuen, mitsingen und tanzen. Ein Bild aus glücklichen Tagen.

Die Bubenfreundschaft wurde zur Kumpelei und später, so munkelte man, war da auch noch mehr. Einer der beiden hieß Uwe. Der andere war kein geringerer als das MudArt-Raubein Heiko Moorlander.

„So glücklich kamen wir nie wieder zusammen“, erzählte mir Heiko Moorlander, „Schulfreund Uwe stand nie auf der privilegierten Seite des Lebens. Er wuchs in prekären Verhältnissen bei seiner Großmutter auf, die noch die althergebrachten Erziehungsmethoden ihrer Eltern anwendete“. Moorlander machte eine peitschende Geste und verriet mir die Geschichte seines Freunds aus Kindertagen. In der Schule wurde der Junge gemobbt. Als junger Mann geriet er in Konflikt mit dem Gesetz (der unsägliche §175!). In ihren Zwanziger Jahren verloren sich die beiden Freunde aus den Augen. Heiko ging nach Amerika und wurde ein berühmter Künstler. Uwe verschwand. „Er war wie vorm Erdboden verschluckt, ich konnte ihn nicht mehr ausfindig machen, als ich nach Deutschland zurückkehrte. Auch später nicht, als Facebook und Wer-kennt-Wen aufkamen, wo man so ziemlich jeden alten Freund finden konnte …“, erzählte mir Heiko. (Auszug aus der Biografie von ‚One Leg Joe‘ –Joe Dineb).

Zwar gilt Joe Dinebs Biografie nicht unbedingt als zuverlässige Quelle, aber die Hinweise verdichten sich, dass da einmal etwas war, eine innige Freundschaft, ein glückliches Bubenleben bevor die großen, weltbewegenden Sorgen und Ängste Krater in die Oberfläche der wie zum Planet gewordenen, dahindriftenden Menschen zu reißen begannen. Ein schlichter Tweet von @stachelvieh bringt es auf den Punkt, respektive auf den Weg.

„auf den Weg gebracht“ – auch so eine Formulierung. Was alles auf den Weg gebracht wurde … und sich seitdem als bewegungsunfähige Stolperfalle herausstellt. Weil eben meist es nicht reicht, etwas auf den Weg zu bringen.

Tweet von Stachelvieh – Auf den Weg gebracht.

Roter Traktor vor freigestelltem weißem Hintergrund auf Teerstraße und einem Streifen Grase. Die Maschine im Profil, von links nach rechts zu fahren scheinen hat zwei platte Reifen. Die anderen beiden Reifen sieht man nicht.
Schulfreund Uwe – MudArt Installation in Gunten am Thunersee.

So wirkt Heiko Moorlanders Installation und der wohl deutlichste Hinweis auf den einstigen Freund wie ein Mahnmal. „Schulfreund Uwe“ wurde im Rahmen der zweiten MudArt-Biennale im Schweizer Mekka der Schlammkunst, Gunten, als dauerhafte Maschineninstallation realisiert. Ein alter Traktor. Die Reifen platt. Unter dem Motorblock eine Lache Öl. Maschinenteile ringsum. Für immer stillgelegt. Auch diese Maschine wurde einst auf den Weg gebracht. Wie Uwe, wie Heiko, wie all die anderen Menschen ihrer Generation.

Wozu, wozu, wozu? Der eine bleibt liegen, der andere stagniert erfolgreich voran bis an die Spitze, wieder einer richtet es sich im Leben gut ein und manche verschwinden schlicht und ergreifend. Die Suche nach dem Sinn des Lebens, nach einer Antwort, spiegelt sich in keinem anderen Kunstwerk im öffentlichen Raum in der Schweiz mehr, als in Moorlanders „Schulfreund Uwe“. Tinguely hätte seine Freude. (Ueli Baumgart, Thuner Schlammblatt).

Hommage à Struve

Ein reifes Getreidefeld bis zum Horizont. Tiefscharz furchen die Spuren der bearbeitenden Traktoren im Licht von Links. In der Mitte ein rechts-links-Schlenker
Ein reifes Getreidefeld bis zum Horizont. Tiefscharz furchen die Spuren der bearbeitenden Traktoren im Licht von Links. In der Mitte ein rechts-links-Schlenker
Juli-Kalenderblatt des Moorlander 2020.

Eine strenge, gerade Fahrspur inmitten eines hochreifen Weizenfelds. Dunkle Schluchten, wenn man so will, in denen sich imaginäre Wandergnome verlieren auf ihrem Weg nach … ja, nach wo denn eigentlich? Fluxus in der Mudart. Fluxus und Mudart. Mudartfluxus. Das eine schließt das andere nicht aus und dazu noch ein Hauch postpostmoderner Vanitas.

Was zunächst klingt wie ein kruder Genremix, der nur schwer seinen Weg in die hohe Kunst findet, geschweige denn einen Marktwert erzielen könnte, entpuppt sich als filigranes Kunstwerk ohne Bestand.

Längst ist die Ernte eingebracht, der Acker gepflügt, das Korn gemahlen und an die Säue verfüttert, aber auf magische Weise besteht Moorlanders ‚Hommage à Struve‘ in den Köpfen der Wenigen, die es live miterlebt haben. Eine Handvoll internationaler Mudart-Fanatiker, die es sich nicht entgehen ließen, das einzigartige Kunstwerk im Entstehen und Vergehen zu beobachten. (Georg Knirr für den Zweibrücker Landboten im Hochsommer 2019).

Zweibrücken, Moorlanders Heimatstadt in der Jugend, eine Kleinstadt in der Südwestpfalz, Hochschulstandort … und Geburtsort des Erfinders des Kreiselkompass, Hermann Anschütz-Kaempfe.

Vielleicht rührt Moorlanders Faszination für Geografie und Messtechnik in dieser unbewussten Nähe zu Anschütz-Kaempfe? Schon als Teenager beschäftigte sich der Mudartist mit Messtechnik, Standortbestimmung und mit dem arktischen Struvemessbogen, der sich von Hammerfest unweit des Nordkaps bis zum Schwarzen Meer zieht. Die Ansammlung von Messpunkten auf Anhöhen und Kirchtürmen zieht sich über 3000 Kilometer weit von Nord nach Süd und ermöglichte im 18. Jahrhundert eine beispiellos genaue Vermessung der Welt.

Die Technik der Triangulation kam auch zum Einsatz bei der Konstruktion seiner Hommage à Struve.

Unschwer erkennbar die schnurgerade Linie, und eine nonchalante Abweichung auf halber Höhe und der tiefe Symbolwert eines dreieckigen dunklen Lochs etwas abseits. (Georg Knirr).

Um die Triangulation möglichst exakt umzusetzen nutze Moorlander drei verschiedene Fahrzeuge, ein sogenannter Master, den er selbst steuerte und zwei per Funk angebundene Dependents, die er fernsteuerte.

Triangulation ist eine geometrische Methode der optischen Abstandsmessung durch genaue Winkelmessung innerhalb von Dreiecken. Die Berechnung erfolgt mittels trigonometrischer Funktionen. Vereinfacht könnte man auch sagen, dass von zwei Punkten, deren Abstand bekannt ist, Winkelmessungen zu beliebig anderen Punkten im Raum erfolgen, um deren Lage eindeutig zu bezeichnen. Siehe -> Triangulation auf Wikipedia.

Das einzigartige, fluxistische Schlammkunstwerk entstand im Hochsommer 2019 auf einem privaten Acker auf der Sickinger Höhe, nördlich von Zweibrücken.

 

 

 

Scratched In The Sandbox

das untere Zehntel des Bilds zeigt eine Teeroberfläche, auf der ein gelblicher Sandhaufen liegt. Die Spur eines Gabelstaplers drückt sich im feuchten Sand ab.

Es gibt zwei Kräfte, die die Handlungen der Menschen bestimmen. Das eine ist die Angst. Das andere ist ein diffuses Etwas, das individuell verschieden gedeutet werden muss, eine Art Schöpfungskraft, aufstrebend, voranpreschend wie eine 1200 PS starke Roadtrain in der Nullarbor-Ebene der eigenen kleinen Existenz.

Gewiss, der martialische Vergleich der menschlichen Psyche mit einem Dieselmotor und einem fernen, heißen Kontinent (das Zitat spielt an auf die Nullarbor-Ebene im Süden Australiens), mag etwas an den Haaren herbei gezogen sein, aber es ist auch kein Journalist, der dies schreibt, sondern ein gewisser Joe Dineb. Der Barkeeper aus irgendwo mitten in der Wüste irgendwo mitten in den USA schreibt in seinem Buch ‚Mundschenk und Director of MudArt‘ nicht nur über seine Begegnung mit einem Team Heiko Moorlanders im Jahr 1997, vielmehr rankt er seine Autobiografie um diese Begegnung, Ausflüge in die Alltagsphilosophie inklusive.

Das Bild zweier Kräfte, die den Menschen bestimmen im ewigen Clinch zwischen Gut und Böse, Hin und Her, Auf und Ab, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Ebbe und Flut, Geben und Nehmen, Dick und Doof, viele, oft skurrile Ausprägungen finden sich in Religion und Kunstgeschichte über die Jahrhunderte bis tief hinein in die Digitale Welt, die nur noch aus Einsen und Nullen besteht.

Dazwischen irgendwo dieselrußsstinkend und auf brutal sensible Weise harmonisch die MudArt. Und in der MudArt widerum der wohl bekannteste Künstler dieser Gattung, Heiko Moorlander.

Auch er war einst den Gegenpolen allen Seins unterworfen, gibt er in einem Interview mit dem MudArt-Experten und Kunstkritiker Ed Korman zu.

Ich war ein sehr sensibles Kind, das sich nur ungern aus dem Haus traute. Der Sandkasten vor unserer Mietskaserne in den Klagenfurt Airfield Barracks war bis zu meinem siebten Lebensjahr der entfernteste Ort der Welt. Dort war ich frei, fühlte mich sicher und geborgen … bis mich eines Tages der Nachbarjunge Ken verprügelte. Wie lange ist das jetzt her […] wie auch immer, an diesem Tag wurde mir klar, ich muss kämpfen, auch wenn ich gescheitert war. Scratched in the Sandbox spielt auf jenes Erlebnis an, aber das sage ich jetzt nur ihnen, Herr Korman.

Wie dieses Geheimnis in die Biografie von Joe Dineb gelangte ist unklar. Heiko Moorlander war jedenfalls ’not amused‘.

das untere Zehntel des Bilds zeigt eine Teeroberfläche, auf der ein gelblicher Sandhaufen liegt. Die Spur eines Gabelstaplers drückt sich im feuchten Sand ab.
Juni-Motiv des Moorlander-Kalenders 2020. Wie ein erhellender Accent Aigu stemmt sich die Spur des Künstlers gegen den Verlust der Kindheit.

Scratched in the Sandbox gilt als Schlüsselwerk zu Moorlanders innerer Einstellung zur martialischen MudArt, ihrer zerstörerischen, brutalen Kraft und dem Bindeglied zu dem zart besaiteten Jungen, der er einst war. Für sieben Millionen Dollar wechselte das Kunstwerk kürzlich bei einer Auktion den Besitzer und ist nun im privaten Museum der Schweizer Fondation Wiederkehr der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Du musst scheitern, um zu siegen, siegen, um zu scheitern, es ist die Tide. Immer ist es die Tide. (Epilog in Joe ‚Mouthful‘ Dinebs „Mundschenk und Director of MudArt“, 84 Seiten Paperback, Melville & Dick 2018)

 

One Leg Joe

In der oberen linken Ecke steht ein Transportfahrzeug für Baumaschinen mit heruntergeklappter Auffahrrampe. Eine derbe Reifenspur führt neben einer begrünten Böschung zur Rampe. Grün und eine Nuance Orange zieren das Motiv farblich.

Um Vertrauen geht es in diesem Artikel und um eine Enttäuschung. Um die Gegenpoligkeit allen Seins, um einen Biografen, der womöglich nie existiert hat und um ein abbes Bein. Dies ist die Geschichte von One Leg Joe.

Jene legendären Tage, festsitzend im Dairy County, sprichwörtlich auf dem Trockenen, in denen das Team um Heiko Moorlander die Zeit totschlagen musste, bis die kleine Tankstelle jenseits der Welt mit Benzin beliefert wurde, diese Tage sind der Grundstein für das kleine Glück Joe ‚Mouthful‘ Dinebs. Sein Begegnung mit den Mudartisten erzählt seine Biografie „Mundschenk und Director of MudArt“ (84 Seiten Paperback, Melville & Dick 2018), in der sich auch intime Informationen über Heiko Moorlanders Kindheit und Jugend finden.

Genau diese intimen Informationen (sie kratzen am Raubein-Image des berühmten Mudartisten) sind Stein des Anstoßes, ließen die zunächst dicke Männerfreundschaft, die Joe und Heiko verbanden in einen schmutzigen Krieg abdriften. An den oft whiskeyschwangeren Abenden in Joes Inn gab der Mudartist offenbar etliche Geschichten aus seiner Vergangenheit preis, zwar unter der Auflage, es sei ein Geheimnis, aber man weiß ja wie das ist. Ein Geheimnis ist nur dann geheim, wenn man es nie nie nie jemandem erzählt. Besser noch: es gar nicht erst denkt (denn wer denkt, der schwätzt auch, irgendwann).

Nicht so vieles ist gesichert über das Zustandekommen von Dinebs Biografie. Gab es den ominösen Verfasser und Biografen tatsächlich, oder hat Dineb das Buch selbst geschrieben? Der Vertrauensbruch, der sich in dem Buch manifestiert, entzweite ihn und Moorlander.

Worte, Fäuste, Anwälte und über dem Grabenkampf kein Ende in Sicht. Am Ende blieben nur Verlierer und etwas große Kunst an einem Ort, wo sie nicht hingehört.

In der oberen linken Ecke steht ein Transportfahrzeug für Baumaschinen mit heruntergeklappter Auffahrrampe. Eine derbe Reifenspur führt neben einer begrünten Böschung zur Rampe. Grün und eine Nuance Orange zieren das Motiv farblich.
Kalenderblatt Mai des Moorlander-Kalenders 2020.

Mit der Installation One Leg Joe verschaffte sich Heiko Moorlander schließlich Luft, indem er den hassgeliebten einstigen Freund noch einmal würdigte. Die Installation befindet sich unweit des Orts ‚Half A Grave‘, ein Flecken Land noch trostloser als One Man Creek. Der Name ist Programm, bezeichnet er doch das Grundstück, auf dem Joe Dinebs ‚abbes‘ Bein begraben liegt. Sagt man.

Am Ende bleiben mehr Geschichten als Fakten. Mehr Halbwahrheiten als ganze, gestandene Männer. Mehr Staub, Dreck und Trostlosigkeit als Dieselruß. Ein Feld von Verlierern im bunten Antlitz dahin rostender 40-Tonner.

 

 

Power Of

Mittig im Bild der platte Reifen eines Bauwagenrads unter rostiger, eiserner Achskonstruktion und Verbretterung des Aufbaus mit abblätternder, gelber Farbe.

Eine Kreuzung im Nichts. Sengende Hitze. Ein paar Flaschen Whikey zu viel. Der Geruch eines Kadavers. Ein kleines, weißes Haus. Zwei Stühle davor, Fliegenfang in der offenen Tür, Klimaanlage surrt. Der Geruch einer unheimlich schmutzigen Latrine jenseits des Grundstücks. Nichts als Wüste ringsum. Wüste, weites Land und eine Handvoll Vierzigtonner. Eine Szene die klingt wie aus einem apokalyptischen Film.

Nie lagen Niedergang und Hoffnung näher beisammen. Die Geschichte des legendären MudArt-Mobs vom One Man Creek erzählt von Zusmmenbruch und Regeneration, von absoluter Hoffnungslosigkeit und ‚make the best of it‘. Fünf Männer und Frauen, ein Leihwagen, eine Kiste Whiskey, eine Tropennacht und ein Desatser. Mehr brauchte es nicht, um eines der ungewöhnlichsten MudArt-Events der letzten Jahrhunderte zu ermöglichen.
(Aus der Biografie von Joe ‚Mouthful‘ Dineb, „Mundschenk und Director of MudArt“, 84 Seiten Paperback, Melville & Dick 2018)

Als in den späten Abendstunden des 23. März 1997 das Team des MudArt-Künstlers Heiko Moorlander seinen Leihwagen auf dem staubigen Parkplatz von One Man Creek parkte, um eine Pause einzulegen, konnten sie nicht ahnen, dass es etwas länger dauern würde. Vielleicht war der Whiskey schuld oder das fettige Essen im Gasthaus, das sich als einziges Gasthaus im Umkreis von 346 Meilen rühmte, aber ganz sicher trug die Tatsache dazu bei, dass sich jemand an den Tankreserven des Leihwagens bedient hatte und die Crew spät in der Nacht nicht mehr vom Parkplatz kam.

Vollgesoffen ausgetrocknet – dried up fully drunk. Power Off.

Es wäre ohnehin keiner mehr in der Lage gewesen, den Wagen zu steuern.

Mittig im Bild der platte Reifen eines Bauwagenrads unter rostiger, eiserner Achskonstruktion und Verbretterung des Aufbaus mit abblätternder, gelber Farbe.
Motiv des April-Kalenderblatts Moorlander 2020.

Das große Problem in One Man Creek ist, dass die kleine Wüstentankstelle nur ein Mal wöchentlich mit Kraftstoff beliefert wird.

Die Tanks der alten Trucks haben noch ein bisschen Diesel, vielleicht nützt das?, bot der einbeinige Joe, Besitzer und Barceeper von One Man Creek, dem verkaterten MudArt-Team an.

Ein Leihwagen mit Benzinmotor. Verhängnis. Drei Tage warten im Nirgendwo auf einen Tanklaster, der hoffentlich kommt. Kein Internet, im TV nur FOX-News, Tapasküche, viel Fett und Whiskey, unendlich viel Whiskey.

This is the end, my friend, the end, my only friend the end.

Doch statt in Lethargie zu fallen und sich dem Alkohol hinzugeben, machte das MudArt-Team um Heiko Moorlander die Not zur Tugend: „Die Dinger da, fahren die noch, Joe?“ Moorlander wies lässig mit dem Kinn zu dem Ensemble uralter Trucks hinter dem Haus. „Aber sicher!“ erwiderte der One Leg Joe.

Man erzählt sich, der Kraftstoff in den Maschinen habe genau so lange ausgereicht, bis der Tankwagen drei Tage später eintraf. Moorlander habe Tag und Nacht wie ein Berserker gearbeitet und am Ende eine Art Labyrinth an MudArt-Spuren rings um One Man Creek gelegt, das man auch auf Satelitenbildern erkennen könne. ‚From Phoenix/Arizona to Ashes/Kentucky‘, so der zweideutige Arbeitstitel.

Im Prinzip ist dies eine Geschichte wie aus dem MudArt-Bilderbuch. Nur, die Sache hat einen Haken. Es gibt keinen Beleg dafür! Keine Presse. Keine Film-, Foto- oder Tondokumente. Den Ort One Man Creek sucht man auf der Landkarte vergebens. Über Joe Dineb existiert gerade mal ein einziger Wikipediaartikel in finnischer Sprache, der zudem heftig umstritten ist und immer wieder intern diskutiert wird. Nur die Tatsache, dass Moorlander und sein Team vom 23. bis 26. März 1997 als vermisst galten, deutet an, dass da ‚etwas gewesen sein könnte‘. Die einzige Erwähnung des unfreiwilligen MudArt-Events findet sich in der Autobiografie ‚Mundschenk und Director of MudArt‘ von Joe Dineb.

 

 

Apocalypse

Eine junges Rübenfeld mit aufkeimenden Pflanzen vor starkblauem, schönwetterbewölktem Himmel wird von einer Traktorspur durchbrochen.

Irgendwo jenseits von Milwaukee im weiten, hügeligen, grünen Land Wisconsins. Ein Tross schwerer  Maschinen mit breiten, martialischen Reifen stoppt in der Morgendämmerung vor Joes Inn. Das kleine Fastfood-Restaurant reklamiert für sich ‚Gods own Burger‘ zu produzieren. Weit und breit gibt es an der Kreuzung zweier Interstaterouten außer Viehweiden und Molkereien nichts. Und auch Joes Inn wäre nicht besonders bemerkenswert, hätte nicht der lokal durchaus bekannte Künstler Francis H. Hennessey eine beeindruckende Kunst-Installation auf der Toilette von Joes Inn hinterlassen. Seine Wandinstallation ‚Apokalyptische Reiter‘ ist ein Ensemble aus vier Edelstahl-Toilettenpapierhaltern, die je nach Tageszeit, mal mehr, mal weniger mit Papier bestückt sind. Manchmal sind sie sogar ganz leer, sehr zum Leidwesen der Durchreisenden, die diese einzige Toilette im Niemandsland zwischen Staughton, Waukesha und Whitewater benutzen möchten. Auf den vier Klorollenhaltern kleben schwarze, geprägte Kunststoffetiketten mit der Aufschrift, ‚red‘, ‚black‘, ‚white‘ und ‚pale‘ – rot, schwarz, weiß und fahl. Ein Zitat an die biblische Erzählung der Apokalypse, in der die vier apokalyptischen Reiter erscheinen, um die Menschheit heimzusuchen.

Vier silberne Klorollenhalter, teils mit, teils ohne Papier mit Aufklebern white, red, black und pale.
Das Kunstwerk ‚Apocalyptic Riders‘ von Francis H. Hennessey im WC von Joes Inn (Wisconsin).

Zugegeben, die Interpretation der apokalyptischen Reiter als Klorollenhalter ist zweifelsohne neu. Die Kunstwelt ist sich einig: Hätte Francis H. Hennessey dieses Kunstwerk in New York, Mailand, Paris oder London realisiert, so wäre er wahrscheinlich zu großem Ruhm gelangt. „Im Klo von Joes Inn verkommt die Installation leider zu einem billigen Scherz“, schreibt Kunstkritiker Dupont Marsh in einem Artikel für den MudArt Chronicle.

Auch diese Geschichte ist im Grunde nicht bemerkenswert. Sie wäre nie geschrieben worden, hätten nicht MudArt Künstler Heiko Moorlander bei einem Stopover auf dem Weg zur ‚Badger State MudArt Convention‘ Francis H. Hennesseys apokalyptische Klopapierrollenhalter als Inspiration gedient für sein preisgekröntes  Kunstwerk Apokalypse.

Skywalk

Die beiden unteren Drittel des Bildes zeigen eine aufgerissene Erdmiete mit den Spuren von Baumaschinen und einer Pfütze. Wie junges Leben spriest an der Abbruchkante ein schmaler Streifen Gras, über dem sich vielstöckige Miteshäuser im Hintergrund in einen milchig weißbläulichen Himmel recken.

Angst? Ist es das? Wenn die Kälte durch die Sohlen kriecht und sich Zentimeter um Zentimeter die Beine hocharbeitet bis zu den Knien und über die Oberschenkel hinaus weiter bis zum Bauchnabel, wo sie im Bauch spielt, die Blase auskühlt und sich ein dringendes Bedürfnis einstellt und du auf der Stelle trittst, so gut es denn möglich ist in der Angstkältehölle. Die Fußspitzen ragen ein paar Zentimeter über den Betonsockel. Den Rücken presst du an die Wand, hältst den Kopf gerade. Die Arme baumeln rechts und links. Wenn du sie vor der Brust verschränkst, um dich zu wärmen, gerät dein Körper in Schieflage. Du könntest abstürzen. Unter den Fußspitzen ist vier Stockwerke nichts. Bis zum Pflaster des Schwarzen Turms würdest du vorbei an den Wohnungen der Wiederkehrs und der Ochsners stürzen und weiter fallen vorbei an den weiß verklebten Fenstern der Massagepraxis im ersten Stock, bis du vor dem Schaufenster des Juweliers aufschlagen würdest. Dann wärst du vermutlich tot.

Die beiden unteren Drittel des Bildes zeigen eine aufgerissene Erdmiete mit den Spuren von Baumaschinen und einer Pfütze. Wie junges Leben spriest an der Abbruchkante ein schmaler Streifen Gras, über dem sich vielstöckige Miteshäuser im Hintergrund in einen milchig weißbläulichen Himmel recken.
Heik Moorlanders Kunstwerk Skywalk zwischen den Gemeinden Hausen und Windisch im Schweizer Aargau.

Ausgerechnet in der kleinen, ordentlichen Schweiz, in der die Wege meist befestigt, gerade, sicher und unerbittlich sind schuf Heiko Moorlander anlässlich der dritten internationalen MudArt-Biennale im Aargauer Birrfeld dieses irritierende Kunstwerk. Noch immer ist unklar, woher der Ausnahme-MudArtist den Mut nahm, ein Werk von solch unglaublicher Intimität zu schaffen, das tief blicken lässt in die Seele des kleinen Jungen, der er einst war – oder auch nicht? Alles nur Show?

„Das rätselhafte ‚Kunstwerk‘ lässt viele Fragen offen […]“, so der MudArt-Kritiker Frank Beckebiehl in einem Artikel des Brugger Schlammboten, „Moorlander zieht alle Register der feinen Künste und ist sich auch nicht zu schade, im Baukasten des Surrealismus zu wildern. Wie willkürlich durcheinander geworfene Knochen, die nicht einmal ein Andalusischer Hund mehr ins Maul nähme, wirkt das Ensemble, das eines Teilnehmers unserer schönen internationalen Mudart-Biennale nie und nimmer würdig ist“.

Trotz oder gerade wegen des Verrisses und der unverhohlenen Hasstirade Beckebiehls wurde das Kunstwerk durch eine nicht genannt werden wollende Lysser Stiftung in eine Privatsammlung angekauft.

Der Künstler selbst sah den Eklat gelassen: „Was solls, die Fonduepackung ist gelutscht. Ich bin höchst zufrieden. And always think about, guys, it’s MudArt, es ist was es ist, sprach der Bagger … hätte hätte Caterpilarkette …“

Wir wissen nicht, worauf der Künstler hinaus wollte, aber vermutlich war es einfach nur ein weiterer, gebetmühlenhafter Versuch, das Credo der MudArt hochleben zu lassen.

‚Selfsupported, free, neither a fence nor a frontier‘

 

Melting Away

Blick auf eine Traktorspur, die in sanfter linksbiegung über einen Acker mit Schneeplacken führt.
Blick auf eine Traktorspur, die in sanfter linksbiegung über einen Acker mit Schneeplacken führt.
Szene aus der Moorlander-Fimdoku Melting Away – Die Erde unter Berlin.

Als sich die ersten Farben aus dem Grau der Nacht lösen, mag ungewiss viel Zeit verstrichen sein. Das alltäglich stattfindende Rund des Planeten auf dem Weg um sich selbst und die rasante Fahrt, die der Planet im Jahresrund um die Sonne absolviert, das war ihm klar, nimmt man als kleiner, unbedeutender Mensch nie wahr. Mit zusammengekniffenen Augen schaut er zum Horizont, der sich hellrosa gefärbt hat und sich gegen Zenit im Blau des Universums verliert. Kalt muss es sein, da draußen, denkt er. Unendlich kalt. Null Kelvin, um es einmal in von Menschen definierten Werten auszudrücken. Kaum kneift er die Augen zu, kaum öffnet er sie wieder und das Rosa wechselt zu Orange, das Blau blaut und blaut, bis es schließlich im milchigen Weiß des aufsteigenden Dunstes des nahegelegenen Bachs kollabiert. Es ist kalt auf dem Planeten. Noch! Denkt er. Vielleicht der letzte Winter, der den Namen Winter verdient. „Im Sommer haben wir hier 45 Grad!“, hallt das Wort einer bibeltreuen Künstlerin nach, die er am Tag zuvor traf. Da wühlte er gerade im Schlamm. Schuf dieses Kunstwerk. „45 Grad, stellen sie sich das mal vor, alles wird brennen und genauso steht es auch in der Bibel. Die Apokalypse naht.“ Ein Placken Schnee schimmert auf dem winterfahlen Acker. Aus dem Grau der Nacht tritt das Gelb des Lehms zu Tage, dem Hauptbestandteil dieser Erde, dieses Fleckens ‚Leinwand‘, den er am Tag zuvor bearbeitet hat. Die Kurve der Spur folgt einer nicht näher bestimmten mathematischen Formel; sie löst sich von der angestrebten Route, strikt geradeaus, und macht einen nonchalanten Schlenker. Nichts deutet auf eine Absicht hin. Doch genau das ist es. Es gibt keine Zufälle, denkt er. Weiß er! Alles, was der Mensch verändern kann, wird er verändern. Er steigt ein, startet den Motor und legt den Rückwärtsgang ein.
(Aus dem Filmskript ‚Melting Away – Die Erde unter Berlin‘, Moorlander-Biografie von Wim Wenders).

Die Dreharbeiten zu der Dokumentation finden derzeit weltweit an verschiedenen Orten satt. Die beschriebene Szene wurde in den lehmigen Böden der Südwestpfalz, Heiko Moorlanders ehemaliger Heimat, gedreht.

The Road Is Gonna End In Me

Blick entlang einer Teerstraße auf eine beigefarbene Spur, die in der Bildmitte endet. Im Vordergrund sieht man den Schatten des Fotografen, im Hintergrund, rechts am Straßenrand winzig ein PKW.

„D’ailleurs c’est toujours les autres qui meurent“

Dieses Zitat (Im übrigen sind es immer die anderen, die sterben), die Inschrift des Grabsteins Marcel Duchamps, steht signifikant für eine Serie endzeitlicher Kunstwerke, in denen MudArtist Heiko Moorlander sein zwiespältiges Verhältnis zum Tod thematisiert. Oft sind es Mauern oder Erdwälle, auf die er in virtuoser Weise Spuren zuführt, die abrupt enden, Pfade aus Gummi und Dreck, die im Nichts verschwinden und manchmal auch das Hindernis zu durchdringen scheinen.

Die endzeitlichen Schlammkunstwerke lassen sich teilweise durch am eigenen Leib erfahrenes Leid erklären – zu einem großen Teil aber stünde hinter „diesem Endzeitgebaren der feinen Schlammkünste“ […] „ein kommerzielles Interesse, das dem Zeitgeist im Zeichen der Klimakatstrophe willfährig Nahrung liefert“. So der MudArt-Kritiker Frank Beckebiehl in einem Leitartikel des Brugger Schlammboten.

Blick entlang einer Teerstraße auf eine beigefarbene Spur, die in der Bildmitte endet. Im Vordergrund sieht man den Schatten des Fotografen, im Hintergrund, rechts am Straßenrand winzig ein PKW.
Heiko Moorlanders MudArt Kunstwerk ‚The Road Is Gonna End In Mee‘ ziert den Dezember des Kalenders 2019.

‚The Road Is Gonna End In Me‘ findet sich zu Füßen des Chaisachers, eines kleinen Berges im Schweizer Aargau. Das zittrige, fast unsichere ‚Schriftbild‘ der Spur ist längst zu einem Markenzeichen geworden, lässt den Rauhbein so menschlich wirken und verdeutlicht den tieferen Sinn hinter dem Werk: Wir alle sind vergänglich. In jedem von uns endet irgendwann eine Straße. Für immer.

Into Jammertal

Zwei Drittel matschige, abschüssige Ackerfläche vor im Nebel versinkenden Pappeln. Eine blassblaue Spur wässrigen Untergrunds schlängelt sich zum Horizont

Da ist nichts. Nur noch Nebel. Eine dichte, weiße, watteähnliche Substanz liegt über dem Land. Zum Schneiden nah. Eben noch starrtest du in das Loch, in das man die leere Urne deiner Mutter versenkte, die sorgfältig gefaltete US-Flagge dazu legte, ein paar patriotische Worte zum Besten gab. Man betete und ging über zum Tagesgeschehen. So einfach es schien. So offiziell, sauber, geleckt und klar. Doch was blieb, in dir persönlich, ganz tief, nie und nimmer auslöschbar, war die Ungewissheit.

Die Ungewissheit ist genau jener Zustand, dem man mit dem symbolischen Akt der Beerdigung einer leeren Urne ein Ende zu setzen versuchte. Die Ungewissheit ist der Zustand, der dich seither beherrscht. Sie begleitet dich auf all deinen Wegen, seien sie auch noch so schlammig. (Heiko Moorlander, Expeditionen ins Erdreich (unveröffentlicht)).

Stets sind es Grenzgänge, die den Mudart-Künstler Heiko Moorlander zu ganz besonders eindrucksvollen Schlammkunstwerken inspirieren. Besagtes letztes Gebet am leer bleibenden Grab seiner Mutter liegt schon fast zwei Jahrzehnte zurück. Der Künstler, damals noch ein junger Mann, kehrte nie zurück auf den Militärfriedhof der einstigen US-Base Zweibrücken. Den Moment jedoch zwischen There ’n‘ Theire, wie Moorlander in einem Interview mit Kulturjournalist Ed Korman sagte, der Moment prägte ihn. So trage er seither stets ein Gutteil Tristesse mit sich auf dem fein arrangierten Teller der Ungewissheit.

Poesie und Wahnsinn und schwere, dieselgetriebene Maschinen mit Ballonreifen. Diese brisante Mischung aus Elementen, die dem in normalen Bahnen denkenden und fühlenden Menschen so ganz und gar nicht zusammenpassen wollen, sind es, die Moorlanders Kunst so einzigartig machen.

Zwei Drittel matschige, abschüssige Ackerfläche vor im Nebel versinkenden Pappeln. Eine blassblaue Spur wässrigen Untergrunds schlängelt sich zum Horizont
Das Novembermotiv der Moorlander-Kalenders 2019 zeigt die Vorstudie zu einer Schlammszene im Jammertal im zweibrücker Ortsteil Ernstweiler. Hier verbrachte Heiko Moorlander seine Kindheit.

Mit Into Jammertal liefert Moorlander eine Studie, die zum Ziel hat, ein ultimatives Schlammkunstwerk zu installieren auf dem kleinen amerikanischen Ehrenfriedhof im kleinen pfälzischen Städtchen Zweibrücken, das einst für wenige Jahre seine Heimat war. Offizielle Gesuche des Austroamerikaners, den Ehrenfriedhof in ein Schlammkunstwerk zu verwandeln waren bisher alle vergeblich. Mehr noch, die Aktion der Vorstudie und der Hinweis auf das Vorhaben, brachten Moorlander und sein Team in einige Schwierigkeiten. ‚Leg Dich nicht mit denen an‘, warnte 2016 sein Freund, der Wiki-Leaks-Gründer Julian Assange bei einem Treffen in der Equadorianischen Botschaft in London. Wenn einer um die Macht und die unerbittliche Rachsucht der Mächtigen weiß, dann er.

The Jammertal Cemetary ist ein Kuriosum und weltweit wohl der einzige US-Militärfriedhof, auf dem sich kein einziger Leichnam befindet. Nicht nur das Urnengrab von Lt. Collonel Louise  Priszilla Moorlander ist leer, sondern alle Gräber. Scheinbeerdigungen in der Nullarbor-Ebene aus dem Ruder gelaufener geheimdienstlicher Einsätze. Schlichte Plaketten mit Namen und Dienstgraden der vermeintlich Verstorbenen. Der junge Moorlander handelte sich einige Scherereien ein, als er sich in der lokalen Presse im Zweibrücker Landboten kurz nach der Beisetzung sehr ungeschickt über die seiner Meinung nach geheuchelten, einzig dem Zwecke der Vertuschung dienende Zeremonie äußerte.

Düsteres Bild eines Stachedrahtzauns aus der Froschperspektive aufgenommen. Im Hintergrund ein Strommast und starke Vignettierung in den Bildrändern.
Die alten militärischen Gelände rings um die ehemalige Vier-Garnisonen-Stadt Zweibrücken zeigen heute noch ihr abweisendes Gesicht.

Seither ranken sich viele Verschwörungstheorien um den ‚Impossible Cemetary‘ in dem streng bewachten Areal des Zweibrücker Jammertals.

Doch zurück zur Studie ‚Into Jammertal‘. Kulturjournalist und Mudart-Experte Ed Korman beschreibt die Studie wie folgt:

Ein Sehnsuchtswerk, zweifellos. Der für immer vergebliche Versuch des Künstlers, einen Nexus zu passieren, der die Grenze zwischen Gewissheit und Ungewissheit überschreitet, der ihn in die Lage versetzt, die Welt diesseits und jenseits des ‚Lochs‘ zu begreifen, der ihm endlich Gewissheit gibt über das wahre Schicksal seiner Mutter,  die seit einem geheimdienstlichen Einsatz in Kolumbien vor fast zwei Jahrzehnten vermisst wird. Und dennoch höchst offiziell mit allen Ehren tief im pfälzischen Lehm beigesetzt wurde. Dieses Paradoxon zu verkraften, dürfte wohl ähnlich verstörend sein wie der Standort der Studie für ‚Into Jammertal‘ weit weit entfernt vom geplanten Kunstwerk auf einem dauerhaft künstlich beregneten, mit Schlamm und Lehm aus der Pfalz bedeckten Arreal in der Mojave-Wüste, irgendwo im Niemandsland zwischen Kalifornien und Nevada. Das I-Tüpfelchen der Ironie: Der echte Friedhof liegt am Ende der Zweibrücker California-Straße irgendwo im Niemandsland zwischen Saar und Pfalz.

‚Into Jammertal‘ ist das Novemberblatt des Kalenders Moorlander 2019. Der Kalender Moorlander 2020 ist hier erhältlich. Auch dieser Kalender ist wie sein Vorgänger als kombiniertes Hard- und Software-Projekt ausgelegt. Auf den A4 großen Kalenderblättern befinden sich QR-Codes, mit denen man die Direktlinks der Beiträge in diesem Blog erreicht. Monatlich werden die Geschichten freigeschaltet.