Hommage à Struve

Ein reifes Getreidefeld bis zum Horizont. Tiefscharz furchen die Spuren der bearbeitenden Traktoren im Licht von Links. In der Mitte ein rechts-links-Schlenker
Ein reifes Getreidefeld bis zum Horizont. Tiefscharz furchen die Spuren der bearbeitenden Traktoren im Licht von Links. In der Mitte ein rechts-links-Schlenker
Juli-Kalenderblatt des Moorlander 2020.

Eine strenge, gerade Fahrspur inmitten eines hochreifen Weizenfelds. Dunkle Schluchten, wenn man so will, in denen sich imaginäre Wandergnome verlieren auf ihrem Weg nach … ja, nach wo denn eigentlich? Fluxus in der Mudart. Fluxus und Mudart. Mudartfluxus. Das eine schließt das andere nicht aus und dazu noch ein Hauch postpostmoderner Vanitas.

Was zunächst klingt wie ein kruder Genremix, der nur schwer seinen Weg in die hohe Kunst findet, geschweige denn einen Marktwert erzielen könnte, entpuppt sich als filigranes Kunstwerk ohne Bestand.

Längst ist die Ernte eingebracht, der Acker gepflügt, das Korn gemahlen und an die Säue verfüttert, aber auf magische Weise besteht Moorlanders ‚Hommage à Struve‘ in den Köpfen der Wenigen, die es live miterlebt haben. Eine Handvoll internationaler Mudart-Fanatiker, die es sich nicht entgehen ließen, das einzigartige Kunstwerk im Entstehen und Vergehen zu beobachten. (Georg Knirr für den Zweibrücker Landboten im Hochsommer 2019).

Zweibrücken, Moorlanders Heimatstadt in der Jugend, eine Kleinstadt in der Südwestpfalz, Hochschulstandort … und Geburtsort des Erfinders des Kreiselkompass, Hermann Anschütz-Kaempfe.

Vielleicht rührt Moorlanders Faszination für Geografie und Messtechnik in dieser unbewussten Nähe zu Anschütz-Kaempfe? Schon als Teenager beschäftigte sich der Mudartist mit Messtechnik, Standortbestimmung und mit dem arktischen Struvemessbogen, der sich von Hammerfest unweit des Nordkaps bis zum Schwarzen Meer zieht. Die Ansammlung von Messpunkten auf Anhöhen und Kirchtürmen zieht sich über 3000 Kilometer weit von Nord nach Süd und ermöglichte im 18. Jahrhundert eine beispiellos genaue Vermessung der Welt.

Die Technik der Triangulation kam auch zum Einsatz bei der Konstruktion seiner Hommage à Struve.

Unschwer erkennbar die schnurgerade Linie, und eine nonchalante Abweichung auf halber Höhe und der tiefe Symbolwert eines dreieckigen dunklen Lochs etwas abseits. (Georg Knirr).

Um die Triangulation möglichst exakt umzusetzen nutze Moorlander drei verschiedene Fahrzeuge, ein sogenannter Master, den er selbst steuerte und zwei per Funk angebundene Dependents, die er fernsteuerte.

Triangulation ist eine geometrische Methode der optischen Abstandsmessung durch genaue Winkelmessung innerhalb von Dreiecken. Die Berechnung erfolgt mittels trigonometrischer Funktionen. Vereinfacht könnte man auch sagen, dass von zwei Punkten, deren Abstand bekannt ist, Winkelmessungen zu beliebig anderen Punkten im Raum erfolgen, um deren Lage eindeutig zu bezeichnen. Siehe -> Triangulation auf Wikipedia.

Das einzigartige, fluxistische Schlammkunstwerk entstand im Hochsommer 2019 auf einem privaten Acker auf der Sickinger Höhe, nördlich von Zweibrücken.

 

 

 

Ein Kommentar zu „Hommage à Struve

  1. Schon über 38 Stunden ist der 2020er Juli Geschichte, aber die fluxistische Schlammkunst von der Sickinger Höhe mag sich einfach nicht verabschieden und umblättern lassen. Freund Uwe nebst Ölpfütze müssen sich noch etwas gedulden.

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