Green Planet

Eine breite, schlingernde Fahrspur durchfurcht einen jungkeimenden grünen Acker, an dessen Horizont ein großer Starkstrommast in den blassen Himmel ragt.

Laut singend „I’ll be Your Trucker and You are my Acker“, berichten Zeitzeugen, habe Heiko Moorlander fröhlich die Servolenkung seines 63er MAN MultiTOOL mit Sechsradantrieb betätigt und beschwingt konzentriert an seinem MudArt-Kunstwerk Green Planet gearbeitet.

Eine breite, schlingernde Fahrspur durchfurcht einen jungkeimenden grünen Acker, an dessen Horizont ein großer Starkstrommast in den blassen Himmel ragt.
Green Planet

Waren Drogen im Spiel? Vermutlich ja! Anders lässt sich die eigenwillige Linienführung seines Kunstwerks nicht erklären. Zunächst weicht der Ausnahme-Mudartist in der von jungem Grün dominierten, großflächigen Arbeit von der geraden, vorgegeben Spur ab und schlingert wie zufällig dahingerotzt auf eine weitere Strenge im an sich langweiligen Acker hinzu. Erst links, dann rechts, eins fallenlassen und dann wieder links …. da, sieh an! … beinahe hat er sich gefangen, beinahe könnte er zurückkehren auf eine weitere der salonfähigen Fahrspuren im Lehm des agrikulturellen Mainstreams, aber nein, der Weg sollte anders verlaufen.

Nur kurz tangiert das für mehrere Millionen Dollar an eine  naurutische Kunstsammlerin verkaufte Kunstwerk den sprichwörtlichen „Pfad der Tugend“, um sich sodann in der Ferne, nur um Haaresbreite einen Starkstrommasten umlaufend, zu verlieren.

Alles kommt aus dem Nichts und alles geht ins Nichts. Dazwischen, ganz bescheiden, unsere eigene kleine Spur. Der Mythos des antiken Labyrinths lebt hoch in Moorlanders Green Planet. In Schlingen ums Ziel schleichend, sich ihm bis auf wenige Meter nähernd, um sich sodann wieder zu entfernen und in selbst gewählten äußeren Umläufen die Warteschleife des Lebens zu vollenden … was passt hier besser, als laut schallend durchs offene Fenster des Monstertrucks zitierend aus Achim Reichels Ausnahme-Werk „Die grüne Reise“ zu singen (frei nach „I’ll be Your Singer and You’ll be my Song“).

(Ed Korman im Feuilleton des Saarpfälzer Landboten, März 2021)

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