Nice Dry

Schräge Spur eines LKW-Reifen auf lehmig gelblich-bräunlicher Oberfläche, von oben betrachtet und Bildfüllend nur Schlamm und Spuren.

Jahrzehnte lang kein Regen. Feuerroter Sand an wie von einem japanischen Origamikünstler gefalteten Sandsteinbergen, stahlblauer Himmel und ein nächtliches Sternenfirmament, das auf der ganzen Welt seines Gleichen sucht. Jahrhundertelange Stille, einzig gebrochen vom ewigen Wind, der es vom fernen Pazifik hier herauf schaffte in die eiskalten, unendlich trockenen Gefielde der Atacama-Wüste. Dies ist das Setting für Nice Dry. Eines der wenigen Standalone-Kunstwerke des austroamerikanischen Mudart-Künstlers Heiko Moorlander. Im Auftrag der brasilianischen Kunstsammlerin Isobello Jonquer del Ruiz war es am Morgen des 4. Mai 2021 vorbei mit der jahrhundertelangen Stille in dem bis Dato vom Menschen unberührten Valle de la Luna. Ein Tross tonnenschwerer martialischer Maschinen amerikanischer Bauart bahnte sich seinen Weg durch den Sand. Darunter auch ein Tanklaster mit dreißig Kubikmetern Wasser. Dort wo sich sonst Geier und Lama Gute Nacht sagen, röhrten nun die Zwölfzylinder, grub sich viele Zoll breites, spezial gefertigtes Hartgummi in die Erde. Auf einem sportplatzgroßen Areal, das durch die kostbare Fracht aus dem Tanklaster ‚vorbereitet‘, sprich beregnet wurde, konnte man kurze Zeit später den Künstler erleben beim Bau von Nice Dry. Nach Vorstudien im Death Valley im vergangenen Jahr, ging der MudArtist mit präziser Eleganz aufs Ganze. Nur einen Versuch würde er haben, denn das Wasser ist knapp. Das Wasser ist aufgebraucht, es gibt nur noch Diesel in den Tanks und die Wüste holt sich jeden Tropfen innerhalb kürzester Zeit. Unter den Augen einer eloquenten brasilianischen Kunstclique um die Auftraggeberin Isobello Jonquer del Ruiz gelang ein Handstreich, den niemand für möglich gehalten hatte. Eine höchst umstrittene Aktion.

Es sei gut für den Tourismus, sagt man. Es sei gut für die Wirtschaft, sagt man. Es sei gut für Land und Leute, sagt man. Es bringe Geld in die Region, Wohlstand und Glück. Bullshit, Mierda. Muy Grande Mierda! Nennen wir das Lama doch beim Namen: ‚Nice Dry‘ ist eine perverse Umweltsauerei einer Bande nordamerikanischer Gringos, die nichts anderes können, als lärmen, stinken und plattwalzen. (Rodrigo de la Parera für den San Pedro de Atacama Mensajero del país).

Schräge Spur eines LKW-Reifen auf lehmig gelblich-bräunlicher Oberfläche, von oben betrachtet und Bildfüllend nur Schlamm und Spuren.
Nice Dry (Vorstudie aus dem Death Valley 2020)

Sicher kein Ruhmesblatt. Nice Dry zählt zu Moorlanders umstrittensten MudArt-Aktionen. Zu Recht fragt man sich, wie weit darf ein Künstler gehen? Wie egoistisch, wie weltfremd, wie … ja, das Thema Geld natürlich … wie gierig kann ein Mensch werden? Immer wieder fragen sich Sammlerinnen und Sammler, Fans aus aller Welt, wie kam es dazu? Wie konnte sich der feine Junge, der einst die Ameisen in seinem Sandkasten evakuierte, bevor er mit der Gießkanne Wassergräben füllte, so sehr von sich selbst entfremden?

Der Sandkasten vor unserer Mietskaserne in den Klagenfurt Airfield Barracks war bis zu meinem siebten Lebensjahr der entfernteste Ort der Welt. Dort war ich frei, fühlte mich sicher und geborgen … (Zitat aus Scratched in The Sandbox)

Geld! Geld! Geld! In der Fachwelt ist man zerstritten. Das eine Lager bejubelt ohne Hinterfragung, während die Gegenseite bestürzt die dunkle Seite der MudArt beäugt und sich fragt, ist denn Geld tatsächlich alles?

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